12. Dezember

Aufgestöbert:
Vom Wünschen und wie es hilft

Nein, sie sind nicht vorbei, die märchenhaften Zeiten, als das Wünschen geholfen hat. Es hilft nämlich – auch heute noch – wenn Menschen sich etwas wünschen. Mir zum Beispiel! Das Wünschen wirkt stressreduzierend, zeitsparend, verstärkt die Vorfreude auf Weihnachten und vermittelt das Gefühl, Sinnvolles zu tun.

"Ich hätte gern den neuen Roman meines Lieblingschriftstellers!" – Das ist bloß ein einfacher Hauptsatz, ein Wunsch aus acht Worten, und doch macht er mich glücklich. Weil ich weiß, worüber sich meine Patentante am Heilgen Abend freuen wird. Weil ich nicht im Nebel stochern muss und nicht, verzweifelt sinnierend, getöpferte Kerzenständer in den Händen hin- und herwiegen werde. Ich kaufe, verpacke, verschenke und bin froh – so hat mir das Wünschen geholfen!

Was hingegen überhaupt nicht hilft, sind solche Sätze: Ach, ich hab doch schon alles. – Aber wirklich nur eine Kleinigkeit! – Ich lass mich gern überraschen. – Diese peinigenden Aussagen lassen mich ratlos. Vorfreude gestoppt; Geschenk-Such-Alarm ausgelöst! Da lobe ich mir einen eingefleischten Pozellan-Sammler, eine umtriebige Reise-Freundin oder den genießerischen familienbekannten Badezusatzverwerter! Die wissen, was ihnen gefällt, wie lebensfroh. Und sie kriegen, was ihnen gefällt!

Aber auch, wer kein ausgeprägtes Hobby hat, kann anderen durch Wünsche das Schenken erleichtern. Gern schon im Spätsommer, aber auch noch im Advent hört man derartiges von Angehörigen: "Also, ich hab jetzt im Schaufenster genau die Tasche gesehen, von der ich immer träume!" Als Wünschender darf man‘s nur nicht allzu absichtsvoll inszenieren. Vielmehr so: "Schade, meine schönen Lederhandschuhe sind richtig abgewetzt. Die reichen nicht mehr für den Winter ..." Ich habe genau dies meiner Mutter gegenüber erwähnt. Und schon trat ein glückliches Leuchten in ihre Augen.

Anne-Kathrin Stöber