19. Dezember

„TROST kommt schnell“,

so stand es auf dem Firmenauto eines Handwerkers. Eine gute Werbung, dachte ich - und dann: Wenn es doch im richtigen Leben auch so wäre! Oft kommt der Trost eben nicht schnell, wenn ich ihn brauche. Es gibt noch nicht einmal eine Servicenummer, bei der ich mein Problem schildern und mal eben Trost anfordern könnte. Dabei wäre das eine echte Marktlücke, die Nachfrage wäre sicher groß: So viele Menschen brauchen Trost!

Kinder möchten getröstet werden, wenn sie sich weh getan oder eine Enttäuschung erlebt haben. Manchmal hilft da ein Trostpflaster, vor allem aber tröstet eine Umarmung, die Nähe und Wärme eines vertrauten Menschen, liebevolle Worte.

So viel anders ist das bei uns Erwachsenen auch nicht.

Gerade in den letzten Wochen sind vielen Menschen die Kontaktbeschränkungen, die Abstandsregeln, der Verzicht auf Sport und Musik schwer gefallen. Bei manchen kamen noch Sorgen um den Arbeitsplatz oder die Gesundheit dazu. Und niemand kann sagen, wie es weitergehen wird. Das bedrückt und macht mitunter auch richtig wütend.

Viele Menschen sehnen sich da nach etwas Tröstlichem: Schokolade. Eine Tasse Tee. Eine Kerze gegen die Dunkelheit. Ein Telefonanruf, ein Brief oder ein Foto von einem Menschen, den ich mag. Ein Barbarazweig, der bis Weihnachten vielleicht Blüten treibt. All das kann die Lebensgeister wecken. Und die Achtsamkeit dafür schärfen, wo es noch Spielräume gibt, was sich ändern lässt - und was geändert gehört! Richtiger Trost ist keine Vertröstung. Richtiger Trost gibt Mut und Kraft für den nächsten Schritt. Weil ich spüre: Ich bin nicht allein gelassen.

„Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt?“, fragt ein altes Adventslied in Richtung Himmel. Gott selbst soll kommen, damit wir uns nicht mehr so allein fühlen. Gott selbst soll sich eilends aufmachen, damit es bei uns nicht so trostlos zugeht. Gerade in diesem Jahr stimme ich in diese Strophe mit ganzem Herzen ein. Ja, du, Trost der Welt, komm schnell! Komm zu uns Müden, Traurigen, Bedrückten und Einsamen! Bring Licht in die Betrübnis! Lass uns nicht allein.
Und manchmal kommt mir Trost, unerwartet und oft leise: ein Brief oder eine Sprachnachricht, ein Sonnenstrahl, ein lachendes Gesicht. Das macht mir Mut. Und dann entdecke ich ein Geheimnis: Nicht nur Schokolade kann man teilen, sondern auch Trost!

Ursula Silber, In: Pfarrbriefservice.de